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Marita Köllner: Eine Karriere, die in der Bütt begann

Bevor Marita Köllner mit ihren Liedern ganze Säle zum Mitsingen brachte, stand sie jahrelang als Rednerin auf der Bühne. Ihr Weg durch den Kölner Karneval begann viel früher, als viele heute vermuten.

Wer Marita Köllner heute erlebt, denkt wahrscheinlich zuerst an Musik. An rote Haare, kölsche Lieder und Auftritte, bei denen das Publikum meist nicht lange sitzen bleibt.

Dabei begann ihre Laufbahn ganz anders.

Schon als Kind stand die gebürtige Kölnerin vor Publikum und hielt erste Büttenreden. Aufgewachsen im Severinsviertel, kam sie früh mit dem Karneval in Kontakt. Über die KAJUJA bekam sie die Möglichkeit, weitere Bühnenerfahrung zu sammeln und sich in der Kölner Karnevalsszene zu entwickeln.

Aus ihren roten Haaren entstand schließlich auch der Name, unter dem sie zunächst bekannt wurde: „Et fussich Julche“.

Ab Mitte der 1970er-Jahre war Köllner vor allem als Büttenrednerin unterwegs. Eine junge Frau allein in der Bütt war damals deutlich ungewöhnlicher als heute. Viele Bühnen und Programme waren stark von männlichen Rednern geprägt.

Köllner blieb trotzdem über Jahre dabei.

Von 1976 bis 1987 gehörte die Büttenrede zu ihrem wichtigsten Arbeitsfeld. Dabei entwickelte sie genau das, was später auch ihre musikalischen Auftritte prägen sollte: den direkten Kontakt zum Publikum.

Der entscheidende Wechsel kam 1988.

Für ein Bühnenjubiläum entstand gemeinsam mit Henning Krautmacher das Lied „Denn mir sin kölsche Mädcher“. Eigentlich war daraus zunächst keine neue Karriere geplant. Doch das Stück kam beim Publikum so gut an, dass aus dem einmaligen musikalischen Ausflug schnell mehr wurde.

Köllner verlagerte ihren Schwerpunkt zunehmend auf den Gesang.

In den folgenden Jahren entstanden zahlreiche Lieder, die bis heute auf Karnevalsveranstaltungen gespielt werden. Dazu gehören unter anderem „Es war in Altenahr“, „Medden op dr Schnüss“ und „Böse Mädchen“.

Damit änderte sich auch ihr Publikum.

Während eine Büttenrednerin vor allem auf Sitzungen gefragt ist, funktionierten ihre Lieder ebenso auf Straßenfesten, Open-Air-Veranstaltungen und anderen kölschen Bühnen. Marita Köllner wurde dadurch zu einer Künstlerin, die weit über die klassische Sitzung hinaus präsent war.

Auch das Fernsehen wurde Teil ihrer Karriere. Über die Jahre war sie immer wieder in karnevalistischen Sendungen und Übertragungen zu sehen und übernahm zudem Moderationen.

Bemerkenswert ist dabei vor allem, wie lange ihr Weg bereits dauert.

Aus ersten Auftritten als Kind wurde eine Karriere, die mehrere Jahrzehnte und verschiedene Formen des Karnevals umfasst: Büttenrede, Musik, Moderation und große Veranstaltungen.

Dabei hat sich ihr Auftritt verändert, der Kern aber kaum.

Marita Köllner setzt bis heute stark auf Nähe zum Publikum. Statt einer distanzierten Show lebt ihr Auftritt davon, dass schnell gemeinsam gesungen, geschunkelt und gefeiert wird.

Vielleicht erklärt genau das auch, warum viele ihrer Lieder über Jahre hinweg im Karneval geblieben sind.

Sie erzählen keine komplizierten Geschichten. Sie funktionieren im Saal, auf der Straße und dort, wo Menschen gemeinsam feiern.

Und genau dort begann schließlich auch ihre eigene Geschichte: nicht als großer Musikstar, sondern als junges kölsches Mädchen mit einer Büttenrede.